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Klar Schiff machen: Das eigene Recht an Produkt und Marke verteidigen

von Markus Jäger, Leiter Vertrieb & Marketing der Borries Markier-Systeme GmbH

Auf einer Fachmesse bekommt ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen den Hinweis eines Kunden, dass dieser ein genau gleich aussehendes Produkt von einer anderen Firma wesentlich preisgünstiger angeboten bekommen habe. Und bei einer Rückrufaktion stellt ein Motorradhersteller fest, dass eine Komponente nicht von dem vermeintlichen Marktführer stammt - sondern von einem Markenfälscher.

Die Produktpiraterie ist heute weit verbreitet und ihre Formen sind vielfältig. Sie reichen vom plumpen Formennachbau bis zu professionellen Plagiaten, bei denen selbst Experten das Original kaum von der Fälschung unterscheiden können. 67 Prozent der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind von Produktpiraterie betroffen. Der geschätzte Schaden für das Jahr 2011 beträgt 7,9 Milliarden Euro - das ist innerhalb von zwei Jahren eine Steigerung um 24 Prozent. Diese Zahlen veröffentlichte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in einer Studie zur Produkt- und Markenpiraterie 2012.

Produktpiraterie bedeutet, dass Produkte nachgebaut werden - und zwar entweder unter Verletzung von Sonderschutzrechten wie Marken und Patente oder aber in wettbewerbswidriger Weise. Letzteres bedeutet, dass der Kunde darüber getäuscht wird, wer der Hersteller der Originalware ist. Denn oft wissen Unternehmen gar nicht, dass sie eine minderwertige Nachbildung kaufen. Produktpiraterie schädigt den Qualitätsanspruch eines Originalprodukts und verletzt das Markenimage eines Unternehmens. Im schlimmsten Fall können Plagiate sogar zu aufwendigen Rückrufaktionen oder Regressklagen führen.

Laut der VDMA-Studie wurden Komponenten mit 52 Prozent Anteil am häufigsten plagiiert. Bei der Fälschung von ganzen Maschinen war jedoch ein Zuwachs von 3 Prozent innerhalb von zwei Jahren auf 48 Prozent zu verzeichnen. Zudem stieg die Verletzung von Patenten und Marken stark an.

Bei der Produkt- und Markenpiraterie in Deutschland ist die Volksrepublik China mit 72 Prozent Anteil auf Platz eins der Herkunftsländer. Dieser Anteil ist aber erstmals rückläufig. Stattdessen legen Plagiate aus Deutschland stark zu - innerhalb von zwei Jahren hat sich der Anteil von 19 auf 26 Prozent erhöht.

Drei von vier Unternehmen werden durch eigene Marktkenntnisse auf die Plagiate aufmerksam. Mehr als die Hälfte erfährt von ihren Kunden davon. Auch Messen spielen eine wichtige Rolle: Hier entdecken ebenfalls mehr als die Hälfte der Unternehmen Plagiate.

Prävention statt Reaktion

44 Prozent der Unternehmen ergreifen keine Maßnahmen, nachdem sie Plagiate entdecken. 41 Prozent versuchen, sich außergerichtlich zu einigen und lediglich 32 Prozent entscheiden sich für ein gerichtliches Vorgehen. Denn ist der Schaden erst einmal angerichtet und das Plagiat im Umlauf, wird es aufwendig, sich das Recht am eigenen Produkt und der eigenen Marke zurück zu erobern. Prävention ist daher der bessere Schutz. Unternehmen sollten von Anfang an Wert darauf legen, Fälscher an ihrem Tun zu hindern. Sie sollten zudem im Ernstfall beweisen können, dass ein Bauteil, das versagt, nicht aus ihrer Produktion stammt.

Der beste Schutz: Produktkennzeichnung

Bei den technischen Kopierschutzmaßnahmen sind laut der VDMA-Studie Produktkennzeichnungen das am häufigsten eingesetzte Mittel. Dazu gehören Identifikationssysteme wie der DataMatrix-Code. Mit dieser fehlerredundanten Kennung, die direkt auf das Produkt markiert ist, lässt sich die Originalität der Produkte beweisen und die Nachverfolgbarkeit sichern.

Der DataMatrix-Code ist ein 2-D-Barcode, der wichtige Informationen wie beispielsweise die Serien- und Chargennummer, das Fertigungsdatum und die Maschinennummer enthält. Die Informationen sind sehr kompakt in einer quadratischen oder rechteckigen Fläche als Muster von Punkten kodiert. Somit bietet der DataMatrix-Code eine höhere Informationsdichte als beispielsweise Strichcodes. Die Größe des Codes ist abhängig vom Dateninhalt und von der Oberflächenqualität des Bauteils. Wegen des geringen Platzbedarfs lässt er sich aber auch auf kleinen Bauteilen anbringen. Die einheitliche Symbolgröße und der feste Symbolabstand machen das Lesen des Bildes und das Dekodieren der Information äußerst sicher.

Bauteil als Datenträger

Beim Produktionsstart wird der DataMatrix-Code in Sekundenschnelle per Nadelprägung auf den Bauteilen angebracht. Eine digitale Kamera erfasst die Informationen und eine Software wertet das Bild aus. Alle weiteren Produktionsschritte werden dann über den Code erfasst und im vorhandenen ERP-System dokumentiert. Fälscher können ein Bauteil, nicht aber den Code kopieren. Der Originalcode ist ein Unikat und alle dazugehörigen Informationen beim Hersteller in der Datenbank hinterlegt, die ausgelesen und zugeordnet werden können. Aus dem Bauteil wird durch die Produktkennzeichnung also ein Datenträger - ein wirksamer Schutz gegen Produkt- und Markenpiraterie.

 

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